Zufallbegegnung im Internet

Nach der Umstellung Europas auf digitales Fernsehen, verkaufte sich ein Gerät, ein sogenanntes Balun(Balanced/Unbalanced), das den britischen Standard für G.703 von 75 Ohm auf den Europäischen Standard 120 Ohm konvertierte. Unser Webshop war die einzige Adresse die diese kleinen Geräte europaweit anbot, es verkaufte sich saugut und ich verdiente viel daran. Bestellungen ausserhalb Deutschlands waren nur gegen Vorauskasse, als kein Risiko, guter Verdienst, und es ist in solchen Fällen nur eine Frage der Zeit das die Ambition dann auch noch wächst, so wollte ich berechnen was es uns kosten würde. die Geräte nach Süd Afrika zu exportieren und von meinen Freund und ehemaligen Kollegen Steven verkaufen lassen.

Immer wenn ich den Vers „Landet Cost“ in Google angab, war ganz oben ein Unternehmen dessen Aktivität ich nicht deuten konnte, somit las ich deren „about us“das mit einen Bild aller Mitarbeiter endete und auf diesen Bild meinte ich mit milden Schreck, ein Mädchen aus lange her zu erkennen. Langsam  wurde es mir auch klar das die letzten vierzig Jahre nicht einmal an ihr ohne weiteres vorbei gegangen sein könnten. Die Firma hatte e-mails der Mitarbeiter mit „Thumbnail“ Fotos, ich suchte erstmal nach ihren Nachnahmen, vielleicht war das Mädchen die Tochter ihrer Brüder, ich fand ihren Nachnamen nicht aber ihr sehr seltenen Vornahmen.

Im laufe der nächsten zwei Wochen hatte ich sogar Bilder unter den Dachboden her gekramt um zu vergleichen ob die Frau mit den Schwarzen Haaren doch dieses Mädchen von lange her war, die Prognose war, auf den großen Bild bestimmt nicht, auf dem Thumbnail auf jeden Fall. Nach zwei Wochen schrieb ich ihr eine e-mail und ich hatte recht, es war sie. Es wechselten ein paar e-mails, es war interessant zu lesen was mit ihr und ihren Geschwistern inzwischen alles passiert war, aber dann ging der Stoff doch aus, es war witzig das ich damals so alt wie ihre Zwillinge war und sie so alt wie meine älteste Tochter. Etwas deprimierend war meine Einsicht das mein Vater damals etwa sechs Jahre jünger war wie ich.

Viel Zeit war vergangen, aber trotzdem konnte ich mich nicht einfach an Erinnerungen der schönen „Großen Liebe“ meines Lebens erfreuen ohne das der wiederliche Stachel der Bitterkeit sich auch wieder meldete. Über Monate hinweg lebten wir Beide in unseren Kokon den nur wir beide teilten, wir planten unser Leben zusammen, erfanden Kinder die wir haben würden, gaben ihnen Namen, und teilten eine Freundschaft die Teil unser Liebe war, die ich mir vorher nie hätte vorstellen können. Alles endete ziemlich schlagartig als sie von ihrer Europareise zurück kehrte, angeblich hatte sie Jemand in Deutschland getroffen, das glaubte ich nicht ganz, ich glaube immer noch das ganze hatte mehr mit meinen erwarteten Einkommen in Vergleich mit dem ihres Bruders Freunde die alle Geschäftswesen studiert hatten.

Die bleibende Bitterkeit stammte aber aus ihren Anstalten mir nahe zu legen mich doch endlich zu verkrümeln, wir kamen zum Tanz und ein anderer Partner wartete auf sie, auch zu ihren Geburtstag war noch Jemand da der sich für sie interessierte und für den sie auch ihre Intresse zur Schau getragen hatte. Mein fünftes Semester auf der Fachhochschule ging zu Ende, für mich ein schwieriges Semester, es gab wieder Mathe, ich hatte mich mit dem Ende unserer Liebe nicht noch vor den Examen befassen wollen, aber das machte sie mir unmöglich.

Zwei Jahre später besuchte sie und ihre Mutter meine Eltern, rein zufällig, ich kam auch vorbei, ich hatte schon meine Wohnung. Schick war meine Ex, mit neuen Outfit, neue Frisur, fast als hätte ich es alles für sie ausgesucht. Für mich bedeutete der Besuch „Wenn Du deine Sache gut machst kannst Du vielleicht wieder mit mir gehen“. Der Gedanke das diese Angehimmelte aus dieser einmaligen Beziehung die alle bis dahin bestehenden Modelle für Freundschaft übertraf, das was ich ihr über mich anvertraut hatte anwenden würde mich möglichst öffentlich zu erniedrigen, war eine bittere Pille die zwei Jahre später nicht weniger bitter geworden ist, das sie sich auf einmal mit der Einstellung „La di da“ bei uns meldet als wäre nie was gewesen ohne in irgend einer Weise ein Bedauern für ihre gemeineren Kunststücke zum Ausdruck zu bringen, konnte ich schon an den Abend nicht mit umgehen. Einmal sagte sie mir um ins Gespräch zu kommen, sie hätte so viel von mir gelernt, was denn fragte ich, wissend das was sie wirklich meinte vor ihrer Mutter nicht erwähnen würde, ihre sichtbare Verlegenheid genoß ich und lachte ihr frech ins Gesicht.

Eigentlich hatte sie viele Jahre mein Leben geprägt, Beziehungen mit anderen Mädchen waren irgendwie flach im Vergleich, trotzdem war zu viel Haß bei mir übrig geblieben das es mit ihr nochmal möglich gewesen wäre. Das totale Vertrauen das ich in ihr hatte war ein wichtiger Teil unserer Beziehung, als das kaputt war, wäre unsere Liebe weiterhin unmöglich gewesen.

Niemand hat so viel Einfluß auf mein Leben gehabt, dabei war es nur kurz, etwas über zwei Jahre und über vierzig Jahre her.

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